Caros Erfahrungen:
Meine Antwort auf die Frage „Woher kommen Sie?“

„Es wird immer ein bisschen lustig, wenn ich von meinen Wurzeln erzähle.“

Carolina Sabatini ist Pflegerin aus Leidenschaft. Ihre tiefste Motivation bis heute: Sie möchte anderen helfen. Als Tochter einer Österreicherin und eines Argentiniers spricht sie Deutsch und Spanisch fließend. Dass sie jedoch in weit mehr als zwei Ländern groß wurde, erkennt man nicht nur an ihren Dialekten. Warum sie oft schmunzeln muss, wenn sie nach ihren Wurzeln gefragt wird und wie ihre Kenntnisprüfung verlief, erzählt sie im Interview:

„Die erste Frage meiner Patient*innen ist immer ‚Woher kommen Sie?‘“

Dann antworte ich stolz: „Aus Argentinien.“ Als nächstes nehme ich verwirrte Blicke wahr. Worauf die zweite Frage folgt: „Aber warum können Sie so gut Deutsch?”, die ich freudig beantworte mit: „Ich bin auch halb Österreicherin. Meine Mama ist aus Österreich, mein Papa ist Argentinier, Deutsch ist meine Muttersprache und Spanisch ist meine Vatersprache.“

Eine weitere Frage ist dann häufig:  „Und wo sind Sie aufgewachsen?”. Hier findet die Verwirrung ihren Höhepunkt, denn aufgewachsen bin ich in vielen Ländern.

Wegen der Arbeit meines Vaters sind wir mit meiner Familie oft umgezogen. Um es verständlich zu machen, erkläre ich: Den Kindergarten habe ich in der Türkei besucht, die Grundschule in Argentinien – immer deutschsprachige Institutionen – und das Gymnasium war schließlich eine britische Schule in Thailand, die ich mit einem internationalen Abschluss absolvierte.

In Österreich habe ich tatsächlich nie gelebt, aber da es die Heimat meiner Mutter ist, verbrachten wir dort viele schöne Urlaube.

„Nicht nur die vielen Sprachen, auch die unterschiedlichen Kulturen bereiten mir bis heute unheimlich Freude.

Vor allem weil ein Aspekt in der Pflege alle Unterschiede aufhebt: Demut. Meiner Meinung nach ist das der Kompass der Pflege.“

Ist das auch der Grund, warum Du Dich für die Pflege entschieden hast?

Ich habe das Gefühl, ich bin wirklich dafür gemacht. Ich kann mir keinen besseren Beruf für mich vorstellen als zu pflegen.

Meine Mama erzählt auch immer, dass ich bereits von klein auf aufmerksam die Bedürfnisse der anderen, vor allem der Kranken, wahrgenommen habe. Wenn es einem Familienmitglied nicht gut ging, war ich hilfsbereit. Ich habe nach der Schule schnell gemerkt, dass mein Weg die Pflege ist. Ich wollte nah an den Patient*innen sein, mit ihnen lachen, reden, weinen oder auch gemeinsam die Ruhe genießen.

Meine Pflegeausbildung habe ich in Argentinien absolviert. Dort ist die Krankenpflege ein 5-jähriges Studium. Nach Abschluss ist man lizensierte Krankenschwester.

Warum hast Du Dich für den Arbeitsplatz Deutschland entschieden und nicht für einen anderen Ort auf der Welt?

Deutschland war für mich immer attraktiv wegen des gut funktionierenden Gesundheitssystems. Hinzukommen all die Weiterbildungsmöglichkeiten, die es hier gibt. Natürlich haben meine Deutschkenntnisse die Entscheidung ebenso positiv beeinflusst.

Über den ambulanten Pflegedienst PFLEGETALENT

Wann und wie bist Du zu Pflegetalent, dem ambulanten Pflegedienst in Kelsterbach, Frankfurt am Main, gekommen?

Durch TalentOrange im August 2019. Ich hatte zuvor immer in Krankenhäusern gearbeitet und als ich auf die Möglichkeit der ambulanten Pflege aufmerksam wurde, dachte ich, dass es den Versuch wert sei.

Und was macht die Arbeit im Team von PFLEGETALENT so besonders?

Dass wir alle aus den verschiedensten Ecken der Welt kommen. Jeder bringt andere Erfahrungen, Perspektiven und Erkenntnisse mit sich. Wir lernen alle voneinander – nicht zuletzt, weil wir dank der Pflege wissen, wie man auch non-verbal kommuniziert. Das funktioniert bei uns sehr gut. Wir wissen, mit welchen Hürden man als Migrant*in zu kämpfen hat, und unterstützen uns gegenseitig. Wir sitzen alle im gleichen Boot, ganz gleich unserer Positionen im Team. Wir geben uns sehr viel Mühe, in die gleiche Richtung zu rudern, und das klappt eigentlich sehr gut. Manchmal ist die Strömung stark, aber wir kommen immer voran.

Ist eine der Hürden als internationale Pflegefachkraft beispielsweise die Kenntnisprüfung?

Definitiv. Durch die Pandemie hat sich mein Anerkennungsprozess etwas verlängert, aber wie sagt man so schön: „Wo ein Wille, da ein Weg“. Als ich erfuhr, dass mir eine Kenntnisprüfung bevorsteht, war ich erstmal etwas besorgt. Laut Behörde fehlten mir ein paar Theorie- und Praxisstunden, damit mein argentinisches Studium als vollwertig in Deutschland anerkannt werden konnte. Also musste ich einen Lehrgang mit Prüfung absolvieren. Meine Gedanken kreisten um die Fragen: „Schaffe ich das? Wird es sehr schwierig? Wie kann ich diese Zusatzherausforderung mit der Arbeit vereinbaren?“

„Die Kenntnisprüfung kann ein Gewinn sein.“

Doch meine Lehrer*innen für Theorie waren klasse und meine Kolleg*innen auf Station für den Praxisteil super nett und geduldig...

...Auch hier hatte ich mit sehr vielen Menschen verschiedener Nationalitäten zu tun. Mein Fazit: Die Kenntnisprüfung ist nicht nur eine Hürde, sondern kann sogar ein Gewinn sein. Denn in jedem Land gibt es kleine, aber entscheidende Unterschiede in der Pflege. Die Materialien werden anders bezeichnet und auch die Organisation kann eine andere sein. Ein weiterer Vorteil des Lehrgangs: Man lernt viel über das deutsche Gesundheitssystem.

Am Tag der Prüfung war ich total nervös. Für den praktischen Teil bekam ich zwei Patient*innen zugeordnet und musste vier Stunden, beobachtet von den Prüfern, das Gelernte anwenden: Eigentlich wie an einem „ganz normalen“ Arbeitstag. Die mündliche Prüfung wurde dann von einem Lehrer und einem Arzt abgenommen. Ich war erleichtert als es hieß: „Frau Sabatini, ich habe für Sie eine gute und eine gute Nachricht: Sie haben beides bestanden!“.

Es waren zwei sehr intensive Monate, aber es hat sich gelohnt. Dankbar bin ich vor allem für die Unterstützung durch Pflegetalent und TalentOrange. Ein gutes Umfeld ist viel wert.

Welche Erkenntnisse aus Deinem Beruf würdest Du gerne mit der Öffentlichkeit teilen?

„Ich wünsche den Menschen, dass sie ihre Gesundheit zu schätzen lernen. Es sind die kleinen Dinge. Die Menschen sollten ihre Gesundheit noch mehr zu schätzen wissen. Nicht erst, wenn man auf pflegerische Hilfe angewiesen ist.

Ich hoffe, dass ich mich stetig weiterbilden kann als Gesundheits- und Krankenpflegerin und dass ich mir meine Leidenschaft und Liebe für den Beruf behalte. Denn Körperpflege, Altenpflege, sollte so würdevoll wie möglich durchgeführt werden. Krankenpflege bedeutet nicht nur die Verabreichung von Tabletten und das Dokumentieren, sondern für die Patient*innen da zu sein, in deren verletzlichsten Momenten.

Danke Caro!

„Meine Berufswahl hat mir Türen geöffnet.“
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