Fachkräftegewinnung ist eine Investition in die Zukunft

Bundesverband internationale Fachkräftegewinnung fordert besser planbare Einwanderungsverfahren

Der Bundesverband internationale Fachkräftegewinnung e.V. hat auf seiner Jahrestagung am 18.9. am Frankfurter Flughafen besser planbare Einwanderungsverfahren und finanzielle Hilfen für Sprachkurse im Ausland gefordert. „Es fehlt eine politische Strategie, die den gesamten Integrationsprozess in den Blick nimmt“, sagte der Verbandsvorsitzende Tilman Frank in Frankfurt. In dem Verband haben sich private Vermittlungsagenturen, Bildungsanbieter und auf Migrationsrecht spezialisierte Rechtsanwälte zusammengeschlossen. Sie begleiten Fachkräfte aus dem Ausland von der Anwerbung über die Sprachausbildung bis zur beruflichen und privaten Integration in Deutschland. Auf der Jahrestagung haben die knapp 50 Mitgliedsunternehmen den Vorstand im Amt bestätigt. Lediglich der frühere Schriftführer, Axel Boysen, ist aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl angetreten. In dieses Amt haben die Mitglieder Andreas Finke, Gründer und Geschäftsführer der Fair Recruiting GmbH aus Freiburg, gewählt.

Ohne Fachkräfte aus dem Ausland werden wir unseren Wohlstand nicht halten können.

„Fachkräftegewinnung ist ein entscheidender Teil der Wirtschaftspolitik“, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Johannes Steiniger (CDU), auf der Tagung. Seit mehreren Jahren erlebe Deutschland preisbereinigt kein Wirtschaftswachstum, was zu Verteilungskämpfen führe. „Wir brauchen Wachstum, um den sozialen Frieden zu erhalten.“ Dazu sei es auch nötig, die Fachkräftelücke zu schließen. „Sonst werden wir unseren Wohlstand nicht erhalten können.“ Die Attraktivität Deutschlands als Zielland für einwandernde Fachkräfte entscheide sich auch daran, wie die Verfahren des Aufenthaltsrechts ausgeführt würden. „Wir haben bisher keinen gut strukturierten Prozess, in dem die verschiedenen Behörden zusammenarbeiten.“ Die in der Koalition vereinbarte „Work and Stay-Agentur“ als neue digitale Plattform solle diese Probleme lösen. Der Bundesverband internationale Fachkräftegewinnung hat an der Ausgestaltung der Anforderungen inhaltlich mitgewirkt. „Wir brauchen den Input aus der Praxis,“ sagte Steiniger, „um die Verfahren zu verbessern.“

Sibylle Stippler: Bürokratische Hürden für Arbeitgeber sind noch zu hoch

Sibylle Stippler, Leiterin des Themenclusters „Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte“ am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, verdeutlichte, dass Deutschland schon heute in vielen Branchen ohne internationale Fachkräfte nicht mehr klarkäme – am höchsten ist deren Anzahl bei Berufskraftfahrern (171.817) und Verkäufern (120.810). Im Gesundheitswesen sei etwa jeder sechste Beschäftigte ohne deutschen Pass. In ländlichen Gegenden erfolge der Beschäftigungszuwachs allein aufgrund internationaler Fachkräfte. Auch ein immer größerer Anteil der Azubis habe einen ausländischen Pass. Rund 85 % der Unternehmen glauben, dass internationale Fachkräfte eine Bereicherung für ihr Unternehmen sein könnten – aber 41 % halten die bürokratischen Hürden für ihr eigenes Unternehmen für zu groß. Das Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 2024 ergab, dass nur 6 % der befragten Betriebe bisher Personal aus dem Ausland gewinnen. Stippler fordert daher von der Bundesregierung, die Verfahrensschritte für Visum, Aufenthaltstitel und Anerkennung zu erleichtern. Unternehmen sollten Einwanderung von Fachkräften als strategische Aufgabe begreifen und auch Hilfen bei der Integration im Alltag anbieten. Recruiter sollten Branchenstandards entwickeln, um schwarze Schafe sichtbar zu machen und vom Markt zu verdrängen.

Fachkräftegewinnung ist eine Zukunftsinvestition

Ein Qualitätssiegel für Personaldienst­leister erarbeitet der Bundesverband internationale Fachkräftegewinnung derzeit. Eines der Qualitätsmerkmale ist, dass das Vermittlungshonorar der Arbeitgeber zahlt – nicht die Fachkraft. Nur so kann nach Ansicht des Verbandes verhindert werden, dass Fachkräfte aus dem Ausland von Vermittlern aus den Herkunfts­ländern ausgebeutet werden. Sie verschulden sich mit Summen in Höhe von 10.000 € bis 20.000 € für das manchmal windige Versprechen, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in Deutschland vermittelt zu bekommen. Der Bundesverband internationale Fachkräftegewinnung fordert außerdem finanzielle Hilfen für die sprachliche Vorbereitung im Herkunftsland – bisher werden nur Sprachkurse für Menschen ohne Arbeit bezahlt, die schon in Deutschland sind. Das passe nicht zusammen, denn von Fachkräften aus dem Ausland, die ab dem ersten Tag einen Arbeitsvertrag hätten, profitiere auch der Staat, der Sozialabgaben und Steuern erhalte, sagte der Verbandsvorsitzende Frank: „Fachkräftegewinnung ist eine Zukunftsinvestition.“

Auf dem Bild sehen Sie den neuen Vorstand (von links): Schriftführer Andreas Finke, zweite stv. Vorsitzende Karin Nagel (Geschäftsfeldleitung Apontis GmbH), erster stv. Vorsitzender Christian Sassin (Geschäftsführer educaro GmbH), Schatzmeisterin Yvonne Bolach (Geschäftsführerin Dekra Expert migration Gmbh), Vorsitzender des Vorstands Tilman Frank (Geschäftsführer TalentOrange GmbH).