Privatsphäre-Einstellungen
Um noch besser auf die Interessen unserer Kund*innen und Talente eingehen zu können, nutzt diese Seite Website-Tracking-Technologien von Dritten.

Unsere Talente lernen nicht nur Deutsch. Sie bekommen bei Bedarf auch Strategien an die Hand, um mit Prüfungsdruck, Stress und persönlichen Herausforderungen umzugehen. Denn diese Fähigkeiten helfen nicht nur beim Bestehen der B2-Prüfung, sondern auch später im anspruchsvollen Berufsalltag, ob in der Pflege, in der Kita oder im sozialen Bereich. Im Interview erklärt Dr. Anne Heyn, DaF-Koordinatorin und Entspannungstrainerin bei TalentOrange, warum Resilienztraining ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige Integration ist.
Resilienztraining in einem Sprachkurs klingt ungewöhnlich. Was steckt dahinter?
Unsere Sprachkurse sind intensiv. Das heißt: Unsere Talente müssen die neue Sprache sehr schnell lernen, mit dem klaren Ziel, den Anforderungen in der Pflege oder im Erziehungswesen gerecht zu werden. Eine große Herausforderung ist die B2-Prüfung. Die B2-Prüfung ist teilweise schwer zu bewältigen, weil zusätzlich zum Sprachvermögen auch Lesekompetenz, Zuordnungsfähigkeit und nicht zuletzt Wissen über ganz unterschiedliche Themen gefragt sind – sogar kulturelles Hintergrundwissen. Wir hatten zum Beispiel eine Gruppe, die an einem Prüfungsthema zur Kinderbetreuung während einer Hochzeitsfeier gescheitert ist, weil es dieses Konzept in der Heimat so nicht gibt.
Dazu kommt der Druck: Jede*r möchte die Prüfung möglichst schnell schaffen. Und es gibt Menschen, bei denen Prüfungen mehr Stress auslösen als bei anderen. Das kann dazu führen, dass Talente, die das B2-Niveau erreicht haben, die Prüfung dennoch nicht schaffen. Hier setzt unsere Resilienzförderung an: Wir wollen verhindern, dass sprachliches Potenzial durch psychischen Stress verloren geht. Ich spreche bei Bedarf also mit den Talenten, sofern sie das möchten. Gemeinsam suchen wir nach Gründen und Lösungsmöglichkeiten, um den Stress zu reduzieren.
Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?
Auf Wunsch arbeite ich in den Gruppen mit Entspannungsmethoden, die Stress regulieren und Regeneration ermöglichen, sodass man nicht in Dauerstress gerät. Das sind Methoden wie autogenes Training, Atemübungen, Meditation oder progressive Muskelentspannung. Mir ist dabei wichtig, dass ich die Talente befähige, die Methoden auch allein anzuwenden. Wie im Sport gilt auch hier: Regelmäßiges Üben hilft, um in einer Prüfungssituation ruhig bleiben zu können.
Das Wichtigste ist jedoch: Resilienztraining ist eine direkte Investition in ihre berufliche Zukunft. Ob in der Krankenpflege oder in der Kita – die Arbeitsumfelder sind stressintensiv. Wer lernt, in der Sprachprüfung ruhig zu bleiben, bringt wertvolle Werkzeuge mit, um auch im Berufsalltag professionell und gesund zu bleiben.
Wie erkennst du, dass jemand nicht nur sprachliche, sondern auch persönliche Herausforderungen hat?
Ich unterrichte nicht selbst in den Kursen, deshalb kommen die Lehrkräfte bei Bedarf auf mich zu. Gleichzeitig habe ich als DaF-Koordinatorin die Übersicht über Lernstände und Unterrichtsangebote nach dem Intensivkurs. Wenn wir sehen, dass jemand nach der B2-Prüfung keine Fortschritte mehr macht, trete ich in Kontakt. Dann schauen wir gemeinsam: Liegt es an sprachlichen Hürden oder blockiert gerade etwas Persönliches den Lernprozess? Uns ist es wichtig, nicht nur den Sprachstand zu bewerten, sondern die Situation des Menschen zu verstehen.
Du hast einen Doktortitel. Wie bist du zum Resilienztraining gekommen?
Mein Doktortitel in Deutsch als Fremdsprache hat mich nicht sehr gestresst. Aber andere Dinge haben in der Corona-Zeit ihren Höhepunkt erreicht und ich wusste, dass ich so nicht weitermachen kann, ohne krank zu werden. Ich habe angefangen, mich über Selbstlernkurse der Krankenkasse zu informieren, habe YouTube-Videos mit Yoga-Einheiten und geführten Meditationen gefunden. Weil ich mein Wissen und meine Erfahrungen auch für unsere Talente aufbereitet habe, durfte ich eine Fortbildung besuchen. Vor Kurzem habe ich zudem ein Fernstudium zur Entspannungstrainerin abgeschlossen.
Abschließend: Auf was sollten Arbeitgeber bezüglich der Sprachausbildung achten?
Ich würde Arbeitgebern raten: Achten Sie bei der Sprachausbildung nicht nur auf das Zertifikat. Entscheidend ist auch, unter welchen Bedingungen die Talente lernen. Wer sich im Lernprozess gut unterstützt fühlt, kann sich besser auf das Lernen konzentrieren und die Sprache sicherer anwenden. Wenn Talente zudem die B2-Prüfung wegen Stress, Prüfungsangst oder persönlicher Belastungen nicht bestehen, kann sich ihre Einreise oder ihr Arbeitsbeginn verzögern. Für Arbeitgeber bedeutet das zusätzliche Planung und möglicherweise einen höheren Überbrückungsaufwand. Auch der Start im neuen Team kann schwieriger werden, wenn die neuen Mitarbeitenden mit großer Unsicherheit oder dauerhaftem Druck beginnen.
Unsere Sprachausbildung ist deshalb mehr als eine Qualifizierungsmaßnahme. Sie trägt zum Prüfungserfolg, zur Planbarkeit für Arbeitgeber und zu einer guten Integration im Team bei. Stressmanagement und Resilienztraining verstehen wir dabei nicht als „Extra“. Wenn ein Talent Unterstützung benötigt, ergänzen wir unseren Prozess gezielt um diesen Baustein.
Holen Sie sich unseren kostenlosen Leitfaden „Sprache entscheidet. Wie die Sprachausbildung internationaler Fachkräfte wirklich gelingt.“

Unser Newsletter zum Thema internationale Fachkräftegewinnung.
Bleiben Sie up-to-date zu allen Themen rund um internationale Rekrutierung.