Experteninterview: Was Arbeitgeber über B2-Sprachzertifikate wissen sollten

Wer internationale Pflegefachkräfte einstellt, kommt an einem Thema nicht vorbei: dem Sprachzertifikat. Ohne B2-Zertifikat keine Berufsanerkennung, kein Arbeitsstart als anerkannte Pflegefachkraft. Aber was steckt eigentlich hinter den verschiedenen Prüfungen und was sagt ein B2-Zertifikat wirklich über die Sprachkompetenz im Pflegealltag aus? Immer wieder erreichen uns dazu viele Fragen von Arbeitgebern. Wir haben sie direkt an unsere Expertin Eva Kuschnerus, Teamleiterin Sprachschule bei TalentOrange, weitergegeben.

Welche Sprachzertifikate benötigen internationale Pflegefachkräfte in Deutschland?

Für die Berufsanerkennung und die Beantragung eines Arbeitsvisums werden ausschließlich Sprachzertifikate anerkannt, die auf einer standardisierten Sprachprüfung basieren – und zwar gemäß den Standards der Association of Language Testers in Europe, kurz ALTE. Zu den anerkannten Prüfungen gehören die des Goethe-Instituts, der telc GmbH, des Österreichischen Sprachdiploms (ÖSD), des TestDaF-Instituts, des ECL sowie das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz. Eine Teilnahmebestätigung einer Sprachschule reicht nicht aus.

In den meisten Bundesländern ist das Sprachniveau B2 Voraussetzung für die Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses. Ohne diesen Nachweis ist eine Tätigkeit als anerkannte Pflegefachkraft in Deutschland nicht möglich. In vielen Bundesländern wird sogar gefordert, dass das Zertifikat nicht älter als ein Jahr ist, auch wenn die Zertifikate selbst kein offizielles Ablaufdatum haben.

Goethe, telc, ÖSD – macht es für Arbeitgeber einen Unterschied, welches Sprachzertifikat eine Pflegefachkraft vorlegt?

Für Arbeitgeber macht es keinen Unterschied, welches ALTE-Zertifikat eine Pflegefachkraft vorlegt. Alle anerkannten Prüfungen orientieren sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen und prüfen dasselbe Sprachniveau. Unterschiede gibt es durchaus, vor allem im Prüfungsaufbau. Für die Lernenden spielen am Ende Verfügbarkeit, Preis und Auswertungszeit eine entscheidende Rolle. Für Arbeitgeber ist das Nebensache.

In einigen Bundesländern können Pflegefachkräfte alternativ die Fachspracheprüfung Pflege ablegen, die ebenfalls als Sprachnachweis anerkannt wird. Ihr Vorteil: Die Sprache wird in arbeitsplatznahen Kontexten geprüft – näher am Pflegealltag geht es also kaum. Der Nachteil: Sie ist nur in Deutschland verfügbar und damit für Fachkräfte im Ausland keine Option.

Ähnliches gilt für die pflegespezifischen Varianten Goethe Pro Pflege und telc Pflege B2. Diese sind im Ausland oft auch nicht verfügbar. Wer ein ÖSD-Zertifikat ablegt, sollte wissen: In dieser Prüfung können vereinzelt österreichische Ausdrücke oder leichter Dialekt vorkommen.

Was sagt ein B2-Zertifikat wirklich über die Sprachkompetenz einer Pflegefachkraft im Berufsalltag aus?

Zunächst, B2 ist wirklich anspruchsvoll! Ich empfehle Arbeitgebern, selbst einmal eine Probeprüfung zu machen. Denn auch als Muttersprachler*in kommt man an der ein oder anderen Stelle ins Grübeln. Die Prüfungen versuchen echte Kommunikationssituationen abzubilden. In der mündlichen Prüfung etwa planen zwei Personen gemeinsam etwas. Dabei geht es nicht um fehlerfreie Grammatik, sondern darum, ein kommunikatives Ziel zu erreichen.

Gleichzeitig bildet jede Prüfung nur einen Ausschnitt der sprachlichen Wirklichkeit ab. Im Berufsalltag begegnen Fachkräfte einem viel breiteren Spektrum: spontane Gespräche, Hintergrundgeräusche, Dialekte, Fachsprache, Alltagssprache im Wechsel. Dabei sind manche Fertigkeiten im Alltag deutlich wichtiger als in der Prüfung – allen voran das flüssige, spontane Sprechen. Das Leseverstehen etwa, das in der Prüfung einen festen Platz hat, spielt im direkten Stationsgespräch eine untergeordnete Rolle. Das lässt sich in einer Prüfungssituation nicht vollständig abbilden. Deshalb ist das Zertifikat eine wichtige formale Eintrittskarte, aber kein Garant dafür, dass jemand vom ersten Tag an reibungslos kommuniziert.

Was hilft Arbeitgebern, den Start internationaler Pflegefachkräfte gut zu begleiten?

Eine gewisse Eingewöhnungszeit ist völlig normal – und das sollte man einplanen. Wer neu nach Deutschland kommt, hat gleichzeitig mit einem neuen Team, neuen Arbeitsabläufen, einem neuen Umfeld und einer neuen Kultur zu tun. Das ist viel auf einmal. Nach einigen Wochen pendelt sich das in der Regel ein.

Hilfreich ist außerdem der Blick auf die Sprachbiografie: Wie lange liegt der Kurs zurück? Hat die Person seitdem kontinuierlich geübt, zum Beispiel durch Konversationskurse? Auch fachsprachliche Vorbereitung macht einen großen Unterschied. Allgemeinsprachliches B2 und Fachsprache Pflege sind zwei verschiedene Dinge. Wer beides mitbringt, kommt im Pflegealltag deutlich schneller an.

Worauf sollten Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch konkret achten, wenn ein B2-Zertifikat vorliegt?

Das Gespräch selbst ist der beste Test. Kann ich mich mit der Person ohne größere Schwierigkeiten verständigen? Versteht sie meine Fragen? Antwortet sie flüssig, auch wenn nicht alles grammatikalisch perfekt ist?

Darüber hinaus lohnen sich gezielte Nachfragen: Wie lange und wie intensiv war der Sprachkurs? In Vollzeit oder berufsbegleitend? Haben qualifizierte Lehrkräfte unterrichtet? Wie lange liegt der Kurs zurück, und was hat die Person seitdem getan, um ihr Deutsch zu erhalten oder weiterzuentwickeln? Gab es eine fachsprachliche Vorbereitung? Diese Fragen geben oft mehr Aufschluss als das Zertifikat allein.

Wie bereitet TalentOrange seine Talente auf die Prüfung und auf den Berufsalltag vor?

Das Zertifikat ist die Eintrittskarte, aber die eigentliche Arbeit passiert lange davor. Unsere Talente absolvieren Vollzeit-Intensivkurse in kleinen Gruppen, sechs Stunden täglich, mit qualifizierten Lehrkräften für Deutsch als Fremdsprache. Wir bieten Aussprachetraining, Hausaufgabenbetreuung und individuelle Nachhilfe. Und wir bereiten mit Fachsprachtraining und interkulturellen Trainings unsere Talente nicht nur auf die Prüfung vor, sondern auch auf den Berufsalltag.

Die Wahl des Prüfungsformats (Goethe oder telc) treffen wir pragmatisch: nach Verfügbarkeit, Preis und den Stärken unserer Lehrkräfte am jeweiligen Standort. Entscheidend ist für uns nicht das Format, sondern die Qualität der Vorbereitung. Das Zertifikat ist dann die formale Eintrittskarte, die echte Sprachkompetenz haben unsere Talente bereits vorher erworben.

Und wer die B2-Prüfung nicht im ersten Anlauf besteht, bekommt keine Absage, sondern unser Drei-Korridor-Modell: ein strukturiertes Betreuungsmodell zum Wiederholen, inklusive kleinem Stipendium. Unser Ziel ist klar: Jedes Talent besteht am Ende die B2-Prüfung!

Möchten Sie mehr zu dem Thema erfahren?

Holen Sie sich unseren kostenlosen Leitfaden „Sprache entscheidet. Wie die Sprachausbildung internationaler Fachkräfte wirklich gelingt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Spracherwerb bei TalentOrange

Deutsch zu lernen kann eine Herausforderung sein, aber bei TalentOrange schaffen es viele Talente in nur sieben bis elf Monaten auf das B2-Niveau – selbst ohne Vorkenntnisse!

Erzieherinnen aus Lateinamerika

Mit anerkanntem Bachelor-Abschluss und B2-Zertifikat bringen die drei Erzieherinnen wertvolle Expertise mit und zeigen, wie Integration und Fachkräftesicherung erfolgreich kombiniert werden.

Auch Anerkennung gehört dazu

Internationale Pflegefachkräfte sind eine unverzichtbare Unterstützung für Ihr Team. Damit sie dauerhaft in Deutschland arbeiten dürfen, muss auch ihr Berufsabschluss anerkannt werden.