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In fast jeder Klinik fehlen Kinderkrankenpfleger*innen; manchmal müssen aus Personalmangel sogar pädiatrische, neonatologische oder kinderonkologische Stationen geschlossen werden. Grund sind unter anderem die hohen Anforderungen an Personalquoten des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die zum Beispiel in der neonatologischen Intensivpflege dazu führen, dass dringend benötigte Versorgungskapazitäten eingestellt werden. Angerechnet werden nur Fachkräfte mit Abschluss in Kinderkrankenpflege oder einer entsprechenden Fachweiterbildung. Die Anerkennung von fertig ausgebildeten Kinderkrankenpflegern aus dem Ausland gelang in Deutschland bisher fast nie. Jetzt hat TalentOrange zusammen mit der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) eine innovative Lösung entwickelt.
Das war notwendig, weil der Mangel so groß ist: Nach Angaben des Berufsverbandes Kinderkrankenpflege e.V. arbeiten derzeit 48.200 Kinderkrankenpflegerinnen in Deutschland - aber 6.500 Stellen allein in der stationären Kinder- und Jugendmedizin sind unbesetzt. Die Gründe sind vielfältig: Erfahrene Pflegekräfte gehen in den Ruhestand, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach pädiatrischer Versorgung. Die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung hat dazu geführt, dass sich weniger junge Leute in der pädiatrischen Pflege spezialisieren – derzeit sind es nur 0,8 Prozent der Pflege-Azubis.
Denn die Kinderkrankenpflege kommt in der generalistischen Pflege-Ausbildung zu kurz: Während mindestens 400 Stunden in der stationären Langzeitpflege und 400 Stunden in der ambulanten Pflege abgeleistet werden müssen, sind es in der pädiatrischen Versorgung lediglich 120 Stunden. Und die müssen noch nicht mal in einem Krankenhaus, sondern können in einer Kita abgeleistet werden. Die Absolventen hätten dann „keine wirklich kranken Kinder gesehen“; die Abteilungen der Kinder- und Jugendpflege in den Krankenhäusern müssten die eigentlich vollständig ausgebildeten Personen aufwändig „nachqualifizieren“, sagte Julia Venzke, Lehrerin an der Schule für Kinderkrankenpflege „Auf der Bult“ in Hannover. Sie hat im April 2026 eine Petition an den Deutschen Bundestag gestellt, in der sie die Beibehaltung der Spezialisierung in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege fordert.
Hier kommt TalentOrange ins Spiel. Der Frankfurter Personaldienstleister hat zusammen mit der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) einen neuen Weg eingeschlagen: 22 junge Pflegefachkräfte aus Brasilien, die die Pflegedienstleitung des UMG vor Ort ausgewählt hatte, haben nach Bestehen des B2-Examens in Deutsch an einem renommierten Lehrkrankenhaus in ihrer Heimat ein 300 Stunden umfassendes Praktikum in Kinderheilkunde, Neonatologie und Kinderkardiologie absolviert. Währenddessen fanden regelmäßige Onboarding-Meetings mit den Stationsleitungen des UMG statt – bereits auf Deutsch. Es wurde zum Beispiel besprochen, wie das, was die Fachkräfte gerade im Praktikum gelernt hatten, am UMG umgesetzt wird.
Das Niedersächsische Landesamt, das für die Anerkennung der Kinderkrankenpfleger*innen zuständig ist, war von Anfang an in den Prozess einbezogen. Es hat die Feststellungsbescheide entsprechend ausgestellt; die UMG hat einen eigenen Anpassungslehrgang für diese Gruppe aufgesetzt. Die ersten elf künftigen Kinderkrankenpfleger*innen sind im März 2026 eingereist. Acht weitere kommen im Juli und drei weiteren im Oktober 2026 an. Brasilien ist wegen des hohen Niveaus der pflegerischen Ausbildung ein sehr geeignetes Herkunftsland für die Gewinnung dieser Berufsgruppe. Tilman Frank, Geschäftsführer von TalentOrange, sagt: „Wir haben mit diesem innovativen Weg endlich eine Lösung für den dringenden Bedarf unserer Kunden an Kinderkrankenpflegern gefunden.“ Auch die Universitätsmedizin Göttingen zieht ein erstes positives Fazit. Simone Stender, Pflegedienstleiterin am UMG, sagt: „Wir sind sehr zufrieden. Alle in der Gruppe sprechen gut Deutsch und leben sich schnell ein. Der Anerkennungspfad für die Kinderkrankenpflege funktioniert wie geplant. Wir freuen uns schon auf die Ankunft der nächsten Gruppe.“