16 Erzieherinnen aus Kolumbien für die Stadt Friedberg

Im Turnraum läuft Musik. Kinder tanzen, sie schwingen die Arme im Takt der Musik, recken die Hände in die Luft. Sie schauen sich ab, welche Bewegungen ihre Erzieherin Helen macht. Helen, 31, ist erst seit drei Monaten in Deutschland. Die ausgebildete Erzieherin kommt aus Kolumbien. Dort hat sie in einer Kita gearbeitet und nebenbei als Animateurin für Kindergeburtstage. Sie weiß genau, was Kindern Spaß macht.

Helen ist eine von insgesamt 16 Erzieherinnen aus Lateinamerika, die die Stadt Friedberg mit Hilfe von TalentOrange eingestellt hat. Die ersten kamen Anfang 2024 in der Wetterau an. „Wir haben gemerkt, dass der Arbeitsmarkt leergefegt ist,“ sagt Erste Stadträtin Christine Diegel. „Aber wir haben viele junge Familien und brauchten dringend Personal für unsere Kitas.“ Zunächst entscheid sich die Stadt Friedberg, vier Erzieherinnen aus Kolumbien einzustellen. Von diesen Talenten waren sowohl die Kinder als auch die Kolleg*innen und Kita-Leitungen so begeistert, dass schnell nachrekrutiert wurde. Heide Deinet, Leiterin der Kita Kettelerstraße, sagt: „Unsere neuen Kolleginnen gehen feinfühlig mit den Kindern um, haben viele gute Ideen für die pädagogische Arbet, sind wissbegierig und selbständig – wir sind sehr froh, sie bei uns zu haben.“

Natürlich ist der Start in Deutschland für jede der Erzieherinnen eine Herausforderung gewesen. So sagt Luiza, die im Februar 2024 ankam: „Es war 4 Grad kalt und ich hatte nicht genug warme Sachen. Jetzt habe ich mich an das Wetter im Winter gewöhnt. Ich möchte auf jeden Fall hierbleiben. Deutschland ist meine Heimat geworden. Ich mag die Kultur.“ Das kann ihre Kollegin Camila bestätigen. Sie mag besonders, dass die Kinder in Deutschland in der Kita den ganzen Tag spielen können und selber entscheiden, was sie tun. In Kolumbien müssen sie in der Kita Zahlen und Buchstaben lernen. Camila liebt auch, dass sie selbst mehr persönliche Freiheit hat, seit sie in Deutschland ist. Auf der Straße ist es sicher, auch nachts. „Zuhause bin ich ‚die Tochter von‘, hier bin ich Camila.“

Die Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen in Lateinamerika sind mit denen bei uns nicht zu vergleichen: Mehr als 50 Stunden in der Woche, kein bezahlter Urlaub, befristete Verträge. Das führt dazu, dass die hiesigen Arbeitsbedingungen von den internationalen Talenten sehr geschätzt werden. Ursula Kaupel, Leiterin der Kita Räuberhöhle, sagt: „Wir spüren eine sehr hohe Arbeitsmoral und gleichzeitig eine große Lebensfreude. Die Kolleginnen aus Kolumbien sind nie krank, sie sind umsichtig, hilfsbereit, gehen auf jeden offen zu, stellen viele Fragen. Sie sind für uns alle eine große Bereicherung.“

Die Stadt Friedberg teilt in diesem Video ihre Erfahrungen mit der Gewinnung von Erzieherinnen aus dem Ausland, sehen Sie selbst: