Pflege ist frei von Kultur und Herkunft

Otoniel Tibana Acevedo absolvierte zehn Semester an der National University of Colombia. Fünf Jahre sind die Regelstudienzeit des Bachelors der Krankenpflege an der renommierten Universität in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Drei weitere Semester der Spezialisierung folgten. 2019 beschloss er für seine berufliche Entwicklung noch weiterzugehen: Nach Deutschland. Seit März 2021 ist er nun hier.

Pflege

Was hat Dir während Deines Studiums am meisten Spaß gemacht?

Otoniel: Besonders die verschiedenen Praxiseinheiten in den unterschiedlichen Bereichen des Krankenhauses waren spannend für mich. Ich hatte das Gefühl das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu verstehen und habe die Gesundheit erstmals als etwas sehr Großes begriffen und schätzen gelernt. Das war vor meinem Studium nicht so.

Warum wolltest Du anschließend nach Deutschland?

Otoniel: Ich hatte immer das Ziel, mehr von der Welt zu sehen. Diesen Wunsch mit meiner Arbeit zu verbinden war die Idealvorstellung, denn ich liebe meinen Beruf. Die attraktiven Arbeitsbedingungen in Deutschland haben mir bei meiner Entscheidung für eine Destination geholfen. Deutschland war somit der Gewinner (lacht).


Hat man Dir diesen Schritt zugetraut?

Otoniel: Meine Familie, Freunde und diejenigen, die mich kennen, beschreiben mich wohl als einen sehr organisierten und verantwortungsbewussten Mann, der immer danach strebt, die von ihm gesetzten Ziele zu erreichen. Sie glauben an mich und wissen, wie sehr ich es liebe anderen Menschen zu helfen. Mich in der Pflege beruflich weiterzuentwickeln, auch außerhalb Kolumbiens, haben sie deshalb unterstützt. Auch, wenn der Abschied sehr schwer war.

"Krankenpflege ist die Kunst, sich um andere zu kümmern und jeden Tag mehr zu lernen."

Was fasziniert Dich an Deinem Job als Gesundheits- und Krankenpfleger so?

Otoniel: Anderen zu helfen, Schmerz zu lindern, unterstützende Wort zu finden, Menschen in ihrer End- oder Anfangsphase des Lebens zu begleiten, all das sind diese Dinge, die ich ohne mein Wissen und die gelernte Handlungsfähigkeit nicht könnte. Mein Beruf fasziniert mich außerdem deshalb so sehr, weil er einer der wenigen Berufe ist, in denen unabhängig von Sprache, Kultur, Herkunft oder Religion, überall auf der Welt mit großer Ähnlichkeit gearbeitet werden kann.

Die Sprache spielt dennoch eine große Rolle. Was hat Dir geholfen Deutsch zu lernen?

Otoniel: Es war definitv hilfreich, dass ich mich diesem Ziel voll und ganz widmen konnte. Durch das Stipendium, das ich von TalentOrange monatlich während meines Deutschunterrichts bekam, konnte ich mich ausschließlich auf die neue Sprache, den Präsenz- und Online-Unterricht konzentrieren. Was in meinem Fall recht gut funktionierte, war, Musik auf Deutsch zu hören und Filme auf Deutsch mit Untertiteln anzuschauen. Auch wenn ich den Text zunächst nicht verstand; nach und nach floss die Sprache.

 

Kannst Du Dich noch an die erste Zeit in Deutschland erinnern?

Otoniel:  Ja, ich erinnere mich mit Nostalgie und verbinde sie mit Nervosität und Angs. Die Pandemie hat alles verändert und die Reise war mit vielen Einschränkungen verknüpft, sodass wir am Anfang nicht viele Orte sehen oder mit Menschen interagieren konnten.

Auch das Heimweh war schlimm, doch es wurde weniger, denn ich habe Freunde, die ähnliche Erfahrungen machen wie ich und die in diesem neuen Land wie eine neue kleine Familie geworden sind.

Und wie waren die ersten Tage am Krankenhaus?

Otoniel: Meine größte Angst war, nicht zu wissen, ob ich in meinem Beruf als Krankenpfleger tatsächlich mit Patienten und Kollegen auf Deutsch kommunizieren kann. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass es besser wurde.

Das Krankenhaus, unser Arbeitgeber, hat uns freudig und angenehm empfangen und für jeden von uns in seiner Unterkunft einen Text vorbereitet – als Hilfe, um die Sprache noch besser zu lernen. Nach der obligatorischen 14-tägigen Quarantäne haben wir gleichzeitig Unterricht und Arbeit aufgenommen, damit wir am Ende des Jahres die Prüfung ablegen und offiziell als Krankenpfleger anerkannt werden können. Ich bin einer kardiologischen und neurologischen Station unter der Berufsbezeichnung "Anerkennung/Praktikant" eingeteilt.

Das Krankenhaus hat sogar ein spezialisiertes Team für Integration, das mit allen Mitarbeitern zusammenarbeitet, die aus einem anderen Land kommen. Das hilft sehr.

Aus diesem Grund war alles einfacher und ich habe mich schnell sehr wohl gefühlt.

 

Hattest Du einen besonderen Schlüsselmoment in dieser spannenden Zeit?

Otoniel:  Fast jeder Moment bisher war besonders. Aber ein schöner Moment war, hier Geburtstag zu haben und mich von meinen Kollegen feiern zu lassen. Ein Schlüsselmoment für mich ist auch, dass ich ruhig und frei Fahrrad fahren kann, weil alle Straßen dafür Sicherheit bieten.

 

Hast Du seit Deiner Migration nach Deutschland einen anderen Blick auf Kolumbien?

Otoniel:  Wie ich meinen Kollegen hier am Städtischen Klinikum in Karlsruhe immer sage, ist Kolumbien ein wunderschönes Land, wundervoll und voller freundlicher Menschen, leckerem Essen und wunderschönen Landschaften. Leider ist die Wirtschaft in vielen lateinamerikanischen Ländern wie Kolumbien, aufgrund der Regierungen der einzelnen Länder, nicht die beste und daher wandern viele Menschen in andere Länder ab, auch auf der Suche nach besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen. Für alles andere ist Kolumbien ein Paradies in Südamerika mit dem besten Kaffee der Welt.

Mit meinen Freunden kommuniziere ich dank der verschiedenen Möglichkeiten, die die Technologie bietet, weiterhin täglich.

 

Und spürst Du bereits eine persönliche Veränderung bei Dir selbst?

Otoniel:  Ich habe große Veränderungen erlebt, seit ich in diesem Land angekommen bin. Das Leben hat so viel zu bieten. Musik ist dabei mein ständiger Begleiter und ich liebe es neue Orte mit dem Motorrad, dem Fahrrad oder zu Fuß zu bereisen. 

Jetzt halte ich mich für einen selbstbewussteren Menschen und sehe, dass es viele neue wundervolle Kulturen zu entdecken gibt. Es ist großartig, sich mit Menschen unterschiedlicher Nationalität auszutauschen und von jedem dieser Menschen etwas zu lernen.

 

Danke Otoniel!

Talent fährt Fahrrad in Deutschland

Das sagen Arbeitgeber über die Zusammenarbeit mit TalentOrange...

Zu den Referenzen

Jetzt das Team von TalentOrange kennenlernen
und Kontakt aufnehmen.

Zum Team